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2.
Reisebericht von Frank Im laufe
des Montags, 30. 11. stellten wir ja fest, dass wir die Fähre nach Wadi Halfa
erst am 7. Dezember nehmen konnten. Daher fragten wir im Iberotel nach, ob wir
das Zimmer für den gleichen Preis bis am 7. behalten könnten.
Dienstagvormittag sagte das Hotel dann zu und wir nahmen das Angebot dankend an.
Wir suchten dann anschliessend das sudanesische Kon- sulat
auf das Visum für Sudan zu beantragen. Wir wurden dem Konsul vorgeführt,
wurden gebeten uns zu setzen und einen Tee zu trinken. Die folgende Unterhaltung
war schliesslich sehr entscheidend für unsere Weiterreise. Ich wurde über
meine Meinung zum Islamischen Glauben gefragt. Da ich aber keine Ahnung hatte,
worauf der Konsul hinauswollte, blieb ich mit meiner Antwort sehr wage. Die
Schweiz hatte 2 Wochen vorher über die Minarettinitia-tive abgestimmt und ich
kannte das Resultat nicht. Er klärte mich dann auf, und ich meinte, dass ich ja
dagegen gestimmt hätte, aber da es ja über 4 Millionen Stimmberechtigte in der
Schweiz gibt konnte ich nichts dafür, und ich finde es ja schade und so…… Schlussendlich
haben wir unsere Visa aber bekommen. Kosten pro Person: sfr. 100. In Kairo hätte
dieses Prozedere 2 Tage gebraucht, hier in Assuan dauert es 1 Stunde und 20
Minuten. Als nächstes schauen wir beim Nile River Shipping Corporation vorbei.
Wir haben glück, wir können mit dem Fährschiff das am 7. fährt mit. Es haben
sich schon 2 Motorradfahrer vor uns angemeldet, der Uwe den wir schon kennen und
den Reiner auch aus Deutschland. Ich maile den beiden
anderen deutschen Jungs, Alexander und Oliver, die irgendwo hinter uns
unterwegs hierher sind, dass sie sich nicht beeilen müssen, da die Fähre gemäss
Auskunft nur 4 Motorräder mitnimmt und damit schon voll ist. Wir geniessen
jetzt den Luxus den wir uns gönnen in vollen Zügen, Zwischendurch ein Bier,
zum Abendessen eine Flasche Wein, na ja man gönnt sich ja sonst fast gar
nichts. Wir fahren in ein malerisches nubisches Dorf, das am anderen Ufer liegt.
Das Dorf ist aber mehr eine Touristenattraktion, aber es ist trotzdem
sehenswert, und wir anscheinend auch, werden wir doch von vielen Touristen
bestaunt. Auch das
nubische Museum ist einen Besuch wert. Es zeigt in englisch und arabisch die
Geschichte am Nil auf. Ich empfinde eine gewisse Bewunderung für diese Völker
am Nil. Was die
alles auf die Beine, besser gesagt auf die Steine gestellt haben, ist schon
gigantisch. Wir
sahen ja die Cheops Pyramiden und jetzt diese Tempel am mittleren Lauf des Nils!
Hut ab, die kennen hier schon seit Jahrtausende das Wort Teamwork. Die Grösse
der Felsen die hier bewegt geworden sind um diese Kunstwerke aufzubauen:
unwahrscheinlich. Und dann
die Rettungsaktion anfangs der sechziger Jahre….. Wie die Grabstätte Ramses
II auseinander geschnitten wurde und um 80 Höhenmeter den Hang hinaufversetzt
wurde wo ein künstlicher Hügel gebaut wurde um das Kunstwerk zu stützen, ich
kann nur den Kopf schütteln und mich vor dieser grossartigen Leistung
verbeugen. Der Nil
wurde südlich von Assuan erstmals von 1892 bis 1902 gestaut. 1912 und 1932
wurde der Damm höher gebaut. In meinem Geburtsjahr fing dann der Bau des High
Dam ca. 8km südlich von Assuan an
und wurde 1968 fertig gestellt. Durch die neue Höhe konnte viel mehr Wasser
gestaut werden und es entstand der Nassersee. Durch die Stauung wurden aber auch
viele Kunstwerke wie eben die Grabstätte von Ramses II gefährdet und unter
Wasser gesetzt. Die
UNESCO und 25 Länder nahmen jede menge Grabungen vor, und gemeinsam wurden
verschiedene Tempel gerettet. Ich bin
ja sonst kein fleissiger Museumsbesucher aber dieser Besuch hat mich
beeindruckt. Wir
geniessen die Zeit in Assuan, machen ein bisschen Ferien, warten aber auch ein
bisschen ungeduldig darauf den nächsten Teil unsere Reise in Angriff zu nehmen.
Am Samstagmorgen um 9 Uhr erfolgt der nächste Schritt zur Ausreise aus Ägypten.
Wir müssen uns zuerst bei einer Registrierstelle anmelden. Das ausfüllen des
Papiers dauert 3 Minuten und anschliessend warten wir fast 2 Stunden bis wir
nach dem intervenieren von Spencer und mir endlich unseren Laufzettel bekommen.
Mit diesem Zettel müssen wir zur Schilderabgabe zu einem anderen Amt fahren.
Dies geht einigermassen schmerzlos von statten, nur 15 Minuten drängeln und
schieben. Jetzt zurück zum Nile River Shipping Company wo wir endlich unsere
Tickets für die Fähre nach Wadi Halfa kaufen können. Als Passagier in der
zweiten Klasse bezahle ich 311 ägyptische Pfund. Für den Transport des
Motorrads müssen weitere 220 Pfund hingelegt werden. Wir sollen uns dann bitte
am Montagmorgen um 10 Uhr bei der Verladestelle einfinden. Wir geniessen den
Sonntag und fahren am Montag voller Elan an den Hafen. Ein Prozedere geht hier
los, das kann sich ein normaler Europäer nicht vorstellen. Zuerst
einmal anmelden, dann durch den Ausfuhrzoll (es könnte ja sein das wir etwas
ausführen würden, was eigentlich ins Land gehört) der sehr oberflächlich
ausfällt. Einmal hier ein bisschen reinschauen, im anderen Koffer gar nicht.
Die Einheimischen führen alles Mögliche an Waren mit sich. Einer muss einen
Sack mit 50 Kilo Zwiebeln aufmachen und ausleeren, damit er sie dann
anschliessend wieder in den jetzt aufgemachten Sack hineinspedieren darf. Wir
schütteln nur den Kopf. Es geht weiter zur nächsten Stelle. Hier bitte Pass
und Fährticket zeigen. Und und und, 7 Stellen bis wir Richtung Fähre fahren dürfen.
Dauer: ca 3 std. Wir sind jetzt 6 Motorräder und drei Autos. Endlich können
wir verladen. Aber wie! Nicht auf die Fähre selber sondern auf einer Barche,
quasi ein Schleppboot. Zuerst einen Absatz hinunter ca 15 cm, dann ca 4 Meter
auf einem schräg abfallenden Seitensteg entlang und dann rechts um 90° über
ein 15 cm Absatz hinauf. Mittlerweile sind wir ein Team geworden, jeder hilft
mit, der erste Töff ist noch kein Problem, aber das weitere Vorgehen muss überlegt
sein, da die Platzverhältnisse es nicht zulässt, alle Töffs in der gleichen
Richtung zu stellen. Mein Töff wird durch heben / schieben um 180° gedreht und
der nächste wieder vorwärts. Gemeinsam bringen wir es zustande alle Töffs so
hinzustellen, dass keiner umfallen kann und keiner einen Kratzer bekommt. Wir
entern um 14.30 Uhr endlich die Fähre und machen uns auf dem obersten Deck
unter einem der beiden Rettungsboote breit. Es sind keine Stühle für die
zweite Klasse da. Die dritte Klasse sitzt unter Deck auf Holzbänken und muss da
unten im geschlossenen Raum bleiben. Die Lüftung ist nur bedürftig und
dementsprechend entsteht bald einen Mief die nur hartgesottene Nasen aushalten
kann. Ich wollte ursprünglich eine 1. Klasse Kabine aber die waren alle
ausgebucht. In diesen Kabinen liegen
die Fahrgäste auf einfachen Matratzen in Etagen aber immerhin mit Klima. Da
haben wir es ja fasst Luxuriös. Wir können uns am Deck frei bewegen soweit wir
Platz finden, wir sind ja nicht die einzigen. Abends um 22 Uhr legt die Fähre
endlich ab. 18 Stunden dauert die Überfahrt. In Wadi Halfa angekommen dauert es
dann 2 std. bis wir überhaupt die Fähre verlassen können. Wir mussten zuvor
unsere Pässe an Bord abgeben und diese wurden nun per Namensaufruf
ausgegeben. Da ja 23 Mohammed Asfar al Mahmar an Bord waren könnt Ihr
euch vielleicht vorstellen wie chaotisch es vor sich geht. Jeder will runter vom
Schiff und es sind nur drei Beamten an Bord um die Personalien der Fahrgäste
aufzunehmen und die müssen alle in einem Buch erfasst werden. Endlich können
wir weiter, es fährt ein Bus die 400 Meter lange Mole hinauf wo wir wieder
aussteigen und durch den Zoll laufen müssen. Auf der anderen Seite warten die
Taxis. Zu elft steigen wir in einen Uralten Landrover wo nur der 3. und 4. Gang
funktionieren. Aber wir kommen nach 3 km beim Hotel an und haben Glück. Es sind
noch Zimmer frei. Anneliese und ich nehmen uns ein eigenes Zimmer. Normalerweise
sind 4 Betten in einem Zimmer und jedes Bett kostet 7 Sudanische Pfund. Bei uns
sind nur drei Betten drin und dementsprechend müssten wir nur für 3 Betten
bezahlen aber OK, ein Bett kostet nur 7 Sudanische Pfund für eine Nacht, daher
reklamieren wir zuerst einmal nicht. Der Boden im Zimmer ist nur mit staubigem
Sand belegt, nicht betoniert, vielleicht kommt daher dieser günstige Preis. Wir
gehen etwas essen, obwohl man an diesen Stellen nicht essen sollte, aber all die
anderen Touristen essen auch hier und wir finden den Fisch gar nicht so
schlecht. Wir schlafen gut und am nächsten Morgen treffen wir uns mit dem
anderen Bikern zum Frühstück. Das Hotel hat kein eigenes Restaurant aber
direkt um die Ecke hat es mehrere Essstellen mit öffentlichen Fernsehern wo die
einheimische Bevölkerung sich einfindet um gemeinsam Fussballmatchübertragungen
zu geniessen. Jetzt heisst es wieder warten, unsere Töffs sollen irgendwann
heute ankommen. Um 13 Uhr kommt die Meldung: die Töffs sind da. Wir fahren
gemeinsam zum Hafen. Die Barche ist am entladen werden aber sie liegt noch sehr
tief im Wasser. Wir haben keine Chance die Töffs einfach so von Bord zu fahren.
Aber schon bald entsteht der Wunsch: wir wollen unsere Töffs heute noch durch
den Zoll haben. Also alle Mann ran und die Töffs werden jetzt einzeln über die
60 cm hohe Absatzkante hochgehoben. Innert 20 Minuten sind alle 6 Töffs oben
und fahrbereit. Wir fahren zur Zollstelle wo wir wiederum unsere Carnet de
Passage abgeben. Jetzt heisst es wieder warten. Es müssen 6 verschiedene Zettel
ausgefüllt werden und immer wieder von einem Beamten Dokumentiert werden, dass
dieser Schritt jetzt auch gemacht wurde. Wir fangen an ungeduldig zu werden, äussern
dies auch dem Schreiberling gegenüber, aber dieser ist total überfordert und
muss jedes mal wieder in den entsprechenden Dokumenten blättern um die
verschiedene Daten zu finden. Total unsystematisch und total veraltet.
Irgendwann leiste ich Schützenhilfe, hab ich doch schon beim zuschauen gemerkt,
dass der Schreiberling seine liebe Mühe hat mit dem lesen unsere
Schriftzeichen. Nach 4 Stunden am Zoll können wir gegen 18 Uhr, es dunkelt
schon wieder, endlich mit den Töffs durch den Zoll und zurück in unser Hotel. Wieder
heisst es Abendessen, wir entscheiden uns heute für ein anderes Restaurant wo
wir Tomatennudeln und ein stück Poulet, Salat und Dessert für 14 Pfund pp
kriegen. Weit und breit kein Bier und kein Wein. Na ja was soll’s, ein
bisschen Entzug vom privilegiertem Dasein, das wir ja wirklich in der Schweiz
geniessen dürfen tut uns nicht weh. Siegrid,
die Freundin von Uwe, den wir auf der Fähre von Aqaba nach Nuweiba ja trafen,
hat mit dem Stuhlgang Probleme. Seit eine Woche konnte sie nicht mehr gross
machen und leidet schwer an Schmerzen. Uwe bereitet einen Einlauf vor,
schliesslich traut er den „Urwalddoktor“ nicht ganz, und wie er immer sagt
„selbst ist der Mann“ und möchte den Einlauf ansetzen. Plötzlich findet
Sigrid aber, sie könnte jetzt trotzdem noch einen Versuch auf der Toilette
versuchen. OK. Die Toiletten sind halt nach afrikanischem Standard. Das heisst
ein Becken im Boden versenkt wo du in die Hocke gehst und dein Geschäft
erledigst. Natürlich ohne richtige Spülung und kein Papier, aber immerhin eine
kleine Kanne mit Wasser zum ein bisschen spülen. Für manchen Europäer halt
schon sehr einfache Verhältnisse. Nach 10
Tagen ohne Strasse geht’s endlich weiter. Donnerstagmorgen wollen wir los.
Aber!!! Wir
haben die Rechnung ohne den „Wirt“ gemacht. Nachdem wir ja das Visum für
den Sudan für sfr. 100 gekauft haben müssen wir uns jetzt noch registrieren
lassen. Zum glück machen wir dies erst am Donnerstagmorgen weil heute dauert es
nur noch 1 Stunde und kostet uns nochmals 53 Pfund pro Nase. Gegen Mittag fahren
wir dann endlich los. Es wurde vor 2 Jahren eine neue asphaltierte Strasse
Richtung Süden teilweise auf der alten unbefestigten Strasse angelegt. Hier
macht das Fahren richtig Spass. Wenig Verkehr, vielleicht alle halbe Stunde ein
entgegenkommendes Auto oder Bus. Die Landschaft ist halt wie sie ist. Wüste mit
Berghügeln versetzt aber nichts Grünes. Wir fahren vielleicht eine Stunde, da
steht Spencer, unser Südafrikaner, am Strassenbord. Spencer macht
Videoaufnahmen für ich glaube den Sky-Channel. Es sollen 12 einstündige
Sendungen entstehen mit seiner Reise von England über Frankreich, Italien,
Tunesien, Libyen die ganze ostafrikanische Route hinunter und dann die
westafrikanische Seite wieder hinauf. 40 Länder wird er während seiner Reise
besuchen. Das Filmteam ist im Moment nicht dabei, es ist sehr schwierig, eine
Bewilligung für Filmaufnahmen in Sudan zu kriegen, daher reist er jetzt alleine
und hat auf seinem Helm eine Halterung für die Videokamera. Er hat von Yamaha
ein Nigelnagel neues Motorrad, die neue Tenere zur Verfügung gestellt bekommen,
die Kleidung hat eine Bekleidungsfirma beigesteuert usw.
Er hatte
jetzt Schwierigkeiten mit der Halterung auf seinem Helm, daher hatte er
angehalten. Er demontierte die Kamera und
fuhr dann weiter. Er versucht vor uns zu bleiben, da sein Motorrad nur ein
Tankvolumen von 17 Litern hat. Da ist er froh wenn er weiss dass wir hinter ihm
sind und notfalls etwas Benzin abgeben können. Wir haben mit unseren grossen
Tanks eine Reichweite von ca 7 – 800 km. Nach ca
200 km versuchen wir uns an den Nil ranzupirschen um einen alten Tempel, der auf
der anderen Seite des Nils liegt aus der Ferne anzuschauen. Leider sehen wir ihn
nicht, aber der Zwischenstop tut uns trotzdem gut. Wir ziehen weiter und gegen
17 Uhr kommen wir in Dongola an. Hier nehmen wir uns ein Hotel, das LordHotel.
Der Chef vom Hotel sagt wir müssten uns noch bei der Polizei registrieren. Wir
trinken zuerst aber eine kühle Cola. Als wir gerade einen Tuck-Tuck (Taxi)
nehmen wollen, hält Spencer vor dem Hotel. Wir sagen er soll schnell seine
Maschine versorgen, dann kann er mit uns gleich mit zum registrieren. In jedem
Polizeibüro steht ein Fernseher, der am Morgen angestellt wird und am Abend
wieder aus. Während der Arbeit wird ferngeschaut, wenn Fussball läuft, kann so
eine Registratur schnell eine halbe Stunde dauern. Wir sitzen aber beim Offizier
im Büro und erzählen uns was wir so erlebt haben. Das stört den Beamten
dermassen, dass wir schon nach 10 Minuten unsere Registratur erledigt haben. Am Abend
essen wir Fisch und Brot, ein bisschen Salat gibt’s auch dazu. Ich esse vom grünen
nichts, Anneliese aber schon und dies wird sich in der Nacht darauf rächen. Um
3 Uhr Morgens weckt sie mich. Der Darm hat nicht dichtgehalten und jetzt haben
wir die Sauerei, na ja, Schlafsack auswaschen und ein Tuch hinein, schliesslich
wollen wir gedeckt schlafen, da sich ein paar Mücken in der Zimmertür verirrt
haben. Ich bin nach dem Desaster aber hellwach und kann nicht weiterschlafen,
stehe daher auf und gehe mit dem Lapi an den Empfang wo ich mich breit mache und
an diesem Bericht schreibe. Um 6.30 Uhr kommt Spencer auch, schon es ist wieder
hell, aber die Sonne steht noch tief aber wir besprechen uns machen ab zusammen
den Tag auf der Strasse zu verbringen. Gegen 7 kommt auch Anneliese aus dem
Zimmer, etwas gerädert aber ein GD hilft ein bisschen. ;-) Wir
packen und fahren los Richtung Osten. Nach 150 km Wüste kommen wir nach Karima
wo wir die Pyramiden von Jebel Barkal besuchen. Die Pyramiden sind nicht eingezäunt
und wir können ungehindert um her laufen. Die Jebel Pyramiden sind 1000 Jahre
älter als die ältesten Pyramiden in Ägypten. Sie sind lang nicht so gross und
Imposant wie die ägyptischen aber es zollt einem trotzdem Respekt, wenn man
bedenkt dass sie vor 5000 Jahren gebaut wurden. |