5.
Reisebericht
Nach
unserem Luxusstop in Diani reisen wir weiter Richtung Tansania. Nach knapp eine
Stunde Fahrt kommen wir an die Grenze und los geht’s mit dem Papierkrieg. Ich
ziehe los während Anneliese bei unseren Töffs wartet. Bei der Ausreise aus Kenia
müssen wir ja unsere Carnet de Passage abstempeln lassen. Dies zieht aber eine
längere Diskussion mit sich. Der Zöllner weist mich darauf hin dass unsere
Töffs nur 3 Monate im Land hätten bleiben dürfen, es sind aber jetzt 8 Monate,
und für jeden weiteren Monat kostet dies 20 $ pro Töff. Ich erkläre dem Zöllner
dass ich schon 3 mal mit der Kenianischen Botschaft in der Schweiz telefoniert
habe und die Leute von der Botschaft hätten mir immer zugesichert, dass mein
Unfall keine Folgekosten wegen des längeren Aufenthaltes der Töffs in Kenia
nach sich ziehen werde. Nach 10 Minuten gibt der Zöllner auf, drückt ein Auge
zu und den Stempel in unsere Carnets. Wir können jetzt weiterfahren, die
offizielle Grenze kommt erst 7 Km später. Wir reisen aus Kenia aus und in
Tansania hinein. Annelieses Befürchtungen wegen des schlechten Zustandes der
Strasse / Piste kommen zum tragen. Anneliese wird auf keinen Fall diese Strecke
selber fahren. Die Grenzformalitäten sind relativ schnell erledigt und ich
suche eine Lösung für unser Transportproblem. Anneliese schlägt vor die Töffs
in einen Container hineinzupacken aber dies erledigt sich von selber, weil der
Container wird per Siegel verschlossen und wird die Reise nach Dar es Salam
ohne unsere Töffs antreten. Ein anderer Sattelschlepper hat auf seiner 40 Fuss
Brücke nur einen 20 Fuss Container in der Mitte geladen. Das könnte
Funktionieren. Vorne ein Töff und hinten einer. Nach dem wir den Preis mit dem
Fahrer ausgehandelt haben müssen wir noch das Beladen mit den Arbeitern
besprechen. Sie wollen 100'000 Tansanische Schilling für das hochheben der
beiden Töffs. 100'000 T. Sch. Sind immerhin 66 sfr. Nach etwas handeln einigen
wir uns auch hier und die Töffs stehen alsbald hoch oben auf der Brücke. Der
Fahrer hat drei Spannsets und ein paar Gurten, aber wir brauchen noch einen 4.
Spannteil. Nach dem weitere 10'000 T. Sch. die Hand gewechselt hat kann ich die
Töffs bombensicher festzurren. Dies wird sich auch als notwendig erweisen. Wir
können auf der Matratze in der Fahrerkabine Platz nehmen und erleben wie
holprig die Strecke ist. Immer wieder halten wir an, die Reifen werden
kontrolliert und ich checke die Spannsets an den Töffs. Hält Prima. Nach 4 ½
Stunden ist die Tortur vorbei, wir fahren in einen Werkhof hinein, die Butter
im Container muss dringend gekühlt werden und das Kühlaggregat lauft nur mit
380 Volt Strom. Im Werkhof entdecke ich einen Gabelstapler und nach einem
kurzen Palaver mit Händen und Füssen lädt der Werkhofchef unsere Töffs mit dem
Gabelstapler ab. Kostenpunkt: 20'000 T. Sch. Ein Stück billiger als das
aufladen und viel effizienter. So mag ich es. Der Lastwagenfahrer wollte zwar
wieder von Hand abladen aber da habe ich abgeblockt und meinen Willen
durchgebracht. Nach kurzer Diskussion mit Anneliese fahren wir in die Stadt und
nach 5 Minuten finde ich das Hotel dass ich im GPS eingegeben habe. Leider
kriegen wir um diese Zeit nirgends mehr etwas zu essen aber 2 Flaschen Bier
entsprechen auch einer kleinen Malzeit und um 23 Uhr liegen wir im Bett und
schlafen innert Kürze. Das Frühstück am nächsten Morgen tut gut und frisch
gestärkt ziehen wir los Richtung Dar es Salam. Annelieses Postcard streikt,
aber zum Glück funktioniert meine Postcard und ich hebe ohne grosse Probleme
ein paar hundert Tausend ab. 1500 T. Sch. entspricht einen Franken. Unser Ziel
heisst Dar es Salam, irgend ein Hotel oder so was. Ich hoffe drauf dass meine
neue Sonnenbrille schon da ist, weil fahren mit verkratzen Sonnenbrillen ist
Scheisse. Du kriegst immer so einen schrägen Hals, weil die Kratzstelle mitten
im Sichtfeld ist und dies ist unangenehm, um klare Sicht nach vorne zu haben
muss ich daher den Kopf immer etwas abdrehen. Jan hat mir eine neue Brille
besorgt und per Post an die Schweizer Botschaft in Dar es Salam geschickt.
Leider sind sie noch nicht angekommen und daher richten wir uns ein bisschen
aufs warten ein. Ein kleiner Ausflug in die Stadt, sich ein bisschen
orientieren, wo kriegen wir im Fall der Fälle was, wobei dies ist meistens
ziemlich einfach wenn du das System Afrika kennst. In der Strasse wo die
Gemüse- und Früchtehändler sind, wirst du nur solche Sachen finden und zwar
direkt an und auf der Strasse. In der Bankstrasse findest du nur hauptsächlich
Banken und Geldtauscher usw. Das System ist insofern ein bisschen Korrupt, weil
keiner wird gross im Preis nachgeben, weil wenn dies der Nachbar 1 Meter
entfernt von dir mitbekommt wird er dies den anderen Händlern sagen und du
wirst dann dazu aufgefordert deine Preise den anderen anzupassen.
Aber
einfach rumsitzen und warten ist nicht mein Ding. Wir wissen nicht wann meine
Sonnenbrille eintreffen wird, daher entschliessen wir uns zu einem kleinen Trip
nach Sansibar. Mit dem Flieger würde dies für die eingeborenen Tansanianer
ungefähr 50 $ kosten, für Touristen 250 $. Auch mit dem Schnellboot ist der
Preisunterschied gross. Wir bezahlen als Touristen den doppelten Preis für die
gleiche Leistung. Schon ein bisschen Pervers. Als wir am Hafen ankommen sagt
unser Taxidriver bei wem wir unsere Tickets kaufen sollen. Er wird wahrscheinlich
eine kleine Provision für seinen Hinweis bekommen. Die Szene am Hafen ist schon
ein bisschen Chaotisch. Ca 40 Händler versuchen sich an uns ranzumachen um uns
davon zu überzeugen dass wir unsere Tickets beim jeweiligem kaufen sollen.
Dabei gibt es eine offizielle Verkaufsstelle. Aber der Stau vor dieser Stelle
ist dementsprechend gross, so viele Touristen wollen nicht so lange anstehen
und darum können die Händler die hier rumlungern trotzdem ihr Geschäft machen.
Wir bezahlen 80 $ pro Person für hin und zurück.
Sansibar
ist sehr relaxt. Die Leute sind nicht so aufdringlich, wir können in Ruhe
herumlaufen und uns die alte Steinstadt reinziehen. Die Hotelsuche erweist sich
als ein bisschen schwieriger, es ist hier Hochsaison und dementsprechend sind
viele Hotels ausgebucht, aber wir werden trotzdem fündig und geniessen auf der
Dachterrasse mit Ausblick über die Häuser ein Sundowner. Freddy Mercury, der
verstorbene Sänger von Queen ist auf Sansibar geboren und wir geniessen unser
Abendessen im Mercury’s.
Zurück in Dar
es Salam warten wir auf meine Sonnenbrille die 3 Tage später eintrifft. Jetzt
kann ich endlich wieder gerade schauen (aber nicht weil ich nichts mehr
trinke). Wir ziehen los Richtung den Westen Tanzania’s und machen tüchtig
Kilometer. Anneliese fängt an mit einem schlimmen Husten und kurz vor der
Grenze zu Malawi hat es auch mich erwischt. Ein bisschen Kopfweh und ein
schlimmer Husten wie mit Schleim auf der Lunge. Wir legen ein Zwischenstop ein
um ein bisschen zu Kräften zu kommen. Nach 2 Nächten im gleichen Hotel ziehen
wir aber weiter nach Malawi.
Der
Fahrstil in Tansania ist ein Zwischending zwischen geordnet und chaotisch. Rund
die Hälfte der Bevölkerung hat die Möglichkeit ein Fahrzeug zu bewegen. Sei es
Fahrrad, Motorrad, Auto, Kleinbus oder Lastwagen. Ungefähr 3 % von diesen
Leuten haben offiziell eine Fahrprüfung abgelegt, der Rest hat den Fahrausweis
irgendwoher gekauft. Dementsprechend der Fahrstil. Wenn eine Tafel darauf
hinweist dass man 50kmh fahren sollte brettern die Kleinbusse mit 100kmh durchs
Dorf während die Hupe andauernd gedrückt wird. Man will ja nicht unbedingt
irgendwelche Leute totfahren, aber gebremst wird nur wenn ein Passagier aus-
oder einsteigen will. Beim anhalten wird kein Blinker gestellt, du wirst mit
Vollgas überholt um anschliessend ausgebremst zu werden weil jetzt muss der Bus
anhalten um einen Passagier aussteigen zu lassen. Dabei wird der Blinker nicht
gebraucht, ist ja nicht notwendig und meistens funktioniert der Blinker auch
nicht.
In Malawi
müssen wir eine Versicherung für unsere Töffs lösen. 30 $ pro Töff,
Versicherungssumme im Schadensfall 50'000 $. Lächerlich aber was soll’s, die
Gesetze sind so und die können wir nicht ändern. Bei einem Pitstop entdecke ich
das Carlsberg schon vor 25 Jahren hier in Malawi eine Bierbrauerei gebaut hat
und betreibt. Herrlich so ein kühles Bier, ich fühle mich fast heimisch. Wir
ziehen weiter und finden in Chitimba am Malawisee eine kleine Lodge mit
Campingplatz. Die Hütten sind leider ausgebucht und so stellen wir unser Zelt
auf und richten uns ein. Der kühle Wind, der vom Malawisee herüber blasst,
lässt uns relaxen und das kühle Carlsberg Bier dazu bringt einem zum träumen.
Der Eigentümer der Lodge ist ein Belgier, der vor 3 ½ Jahren nach hierher
ausgewandert ist. Er ist daran neue Hütten zu bauen und ich schaue ihm ein
bisschen bei der Arbeit auf die Finger. Wir beschliessen dass wir noch eine
Nacht hier bleiben und so geniessen wir den Töfffreien Tag mit lesen und Baden,
ich diskutiere eine Weile Mit Edi, den Eigentümer und gerate selber ein
bisschen ins Grübeln. Er ist nach Malawi ausgewandert weil er all die Zwänge in Holland leid war. Für alles brauchst du eine
Bewilligung. Aber hier in Malawi ist es anders. Das Land gehört ihm und er kann
darauf tun und lassen was er will. Er darf die Hütten so errichten wie er denkt
es gut sei und es gibt keine Gesetze wie nah oder weit er die Hütten
voneinander bauen muss. Das nenne ich Freiheit……….
Wir ziehen
weiter nach Mzuzu wo wir unser Visum für Malawi abholen müssen. Dies erweist
sich für mich wieder einmal als Geduldsprobe. Papiere ausfüllen, abgeben,
warten, zuschauen, warten bis ich irgendwann dazu aufgefordert werde 50 $ pro
Visum an der Zahlstelle abzuliefern. Ich probiere mit Malawische Kwatscha zu
bezahlen aber dies wird nicht akzeptiert. Ich sage das kann nicht sein, alle
Einheimischen bezahlen ihre Pässe mit Kwatscha’s, wieso kann ich nicht, ich
hätte keine Dollars mehr. Nützte alles nichts, wir müssten als Touristen
Dollars mitbringen. Fertig der Diskussion. Also nochmals raus zu Anneliese, sie
verwaltet unser Geld, und so gehe ich 2 Minuten vor Schalterschluss mit den
Dollars an die Zahlstelle. Jeder probiert hier vorzudrängeln, da musst du stur
bleiben und sagen nix ist, hinten bleiben, teilweise werde ich böse angeschaut
aber das ist mir egal, ich will einfach nur unsere Visa’s. 5 Minuten nach Schalterschluss
sagt der Sicherheitsbeamte ich soll rausgehen. Ich sage ich gehe nicht unsere
Pässe. Er meint die kann ich Morgen holen. Ich sage dass dies nicht in die Tüte
kommt und bewege mich nicht einen Schritt. Nach ein Paar Minuten Palavern kommt
der Chef des Büros und fragt was los ist. Ich erkläre ihm die Situation, ohne
Pass kann ich kein Hotelzimmer beziehen und ich habe keine Lust auf der Strasse
zu Campen. Nach einer Weile bekomme ich endlich unsere Pässe und so etwas wie
eine Entschuldigung.
Die
Strassen in Malawi sind OK. Ein paar Schlaglöcher sind schon da aber wir
umfahren diese ohne Probleme. Schlimmer ist es wenn wir an eine
Strassenbaustelle kommen. Da ist eine Umfahrung auf Schotter und Sand angesagt.
Anneliese hat hier einen Heidenrespekt und fährt sehr langsam durch, aber sie
schafft es ohne umzufallen. Später machen wir einen kleinen Halt, im Schatten
eines Grossen Baumes will ich etwas Wasser trinken und eine Zigarette
geniessen. Kaum im Schatten werden wir von einem Haufenn Kinder umzingelt die
uns erwartungsvoll anschauen. Ich hocke auf den Boden, Anneliese steht neben
mir und irgendwann fängt Anneliese an die Zahlen von 1 bis 10 auf Englisch
vorzusagen. Die Kinder machen schön mit und Anneliese sagt zwischendurch etwas
auf Schweizerdeutsch, die Kinder reden ihr immer nach. Das ist lustig, ich
vergesse ganz den Fotoapparat zu holen und drum haben wir von dieser Szene
leider keine Fotos, schade. War ein sehr schönes Erlebnis.
Durch das Reisen auf unsere Art sehen wir zwar nur den Augenblick und müssen uns selber vorstellen was dahinter steckt, aber es gibt einem auch so zu denken. In Malawi besteht zwar Schulpflicht aber wenn die Kinder keine Lust oder die Familie kein Geld für die Schuluniform haben bleiben sie einfach der Schule fern. Wenn wir irgendwo anhalten, werden wir oft von Kindern um Pens oder Geld angehauen. Ich frage dann meistens wieso das sie nicht in der Schule sind, bekomme aber darauf keine Antwort. Dabei liegt die Antwort auf der Hand. Wenn die Eltern schon keine Ausbildung genossen haben und sich trotzdem durchs Leben schlagen, wieso sollen dann die Kinder die Schule besuchen. Sie werden es auch irgendwie schaffen. Dies ist ja in unsere Augen ein Trugschluss, aber wenn ich mich selber ernsthaft frage, dann muss ich sagen, ich sehe bei den Kindern kein grosser Unterschied, vielleicht weil ich so „blauäugig“ bin? Was soll’s, ich kann alleine nicht viel an der Situation ändern, aber vielleicht werde ich in dieser Hinsicht noch Tätig…. Kommt Zeit kommt Rat. Zuerst will ich unsere Reise beenden, dann erst ist die Zeit gekommen um sich über das Nachher zu fragen.